Datenschutz versus Kommunikation des Evangeliums?

Facebook versus Datenschutz
Facebook versus Datenschutz

Mutig und pointiert beschreiben die zwei Kollegen und eine Kollegin aus Westfalen, wie der kirchliche Datenschutz ihre Arbeit einschränkt und beklagen, dass ein lebensfremder Datenschutz die Folge sei, wenn man „Juristinnen und Juristen und Techniker(n)“ [sic! Gibt es keine Technikerinnen?] das Feld überlasse:

Eine Kirche, die diesen Auftrag ernst nimmt, tummelt sich auch im Digitalen dort, wo die Menschen unterwegs sind. Sie setzt auf etablierte Plattformen, statt proprietäre Lösungen zu entwickeln, die anschließend im Regal verschimmeln. Sie verbreitet die beste Botschaft der Welt über reichweitenstarke digitale Kanäle.
Es könnte so einfach sein. Wäre da nicht der kirchliche Datenschutz, der diesem Vorhaben einen dicken Knüppel zwischen die Speichen wirft.
Sorry, aber das kommt dabei heraus, wenn Juristinnen und Juristen und Techniker allein die Rahmenbedingungen für das kirchliche Leben determinieren. Und lässt man es zu, dass sie ihre Positionen gegenüber kirchenleitenden Menschen artikulieren, die – mit Verlaub – in der Regel über wenig substanzielles Detailwissen verfügen, wird widerspruchslos ein neues EKD-Datenschutzgesetz beschlossen, das die Position des Datenschutzbeauftragten als Aufsichtsbehörde stärkt und mit umfangreicheren Rechten und empfindlichen Durchgriffsmöglichkeiten ausstattet. Dabei gäbe es digital affine Menschen in den Reihen der Kirche, die sicherlich gerne als Expertinnen und Experten zur Verfügung stünden.

Ich kann die Beschreibung der Lage gut nachvollziehen, würde aber andere Konsequenzen ziehen. Mir ist es nicht ersichtlich, warum es überhaupt ein eigenes kirchliches Datenschutzrecht gibt. Ich bin Theologe und Informatiker, kein Jurist, daher nur als Frage und nicht als Aussage: gäbe es kein eigenes kirchliches Datenschutzgesetz, würde das staatliche Datenschutzrecht gelten, hätte die Kirche dadurch etwas verloren? Ich denke nein. Oder die Kirche könnte einfach staatliches Recht übernehmen, wie sie es in anderen Bereichen auch tut.

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Die gläserne Familie? — Gedanken zum Datenschutz

„Papa, Papa, ich habe ein ‚musical.ly‘ [jetzt: TikTok] gemacht, kann ich das online stellen?,“ so fragt die zehnjährige Tochter ihren Vater, als er nach Hause kommt. Neben ihr steht die Freundin, mit der sie gemeinsam das Musik-Video aufgenommen hat. Eine nicht untypische Momentaufnahme einer Familie, die eine musikbegeisterte Tochter im Teenager-Alter hat, und die deutlich macht, welche Komplexität das Thema Umgang mit personenbezogenen Daten in Familien haben kann.

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Souverän in der Cloud – eine Einladung

Screenshot from 2016-01-29 00:48:02Die Digitalisierung durchdringt immer tiefer unsere Gesellschaft und hat viele Facetten unseres Alltags, unserer Arbeitsabläufe und unserer Kommunikation verändert. Wie gehen Gemeinden und kirchliche Einrichtungen mit dem Digitalen Wandel um?
Blogs und Social Media, elektronische Datenverarbeitung, E-Mail- und Cloud-Dienste bieten für Kirche und Diakonie neue Chancen, aber ebenso rufen sie Skepsis hervor und werfen technische, rechtliche und medienethische Fragen auf. „Souverän in der Cloud – eine Einladung“ weiterlesen

Ist die Cloud böse?

Wolken
Wolken

So fragt Stefan Lesting in einem Blogpost auf Frisch Fischen. Natürlich nicht, die Beispiele, die er jedoch für den Umgang mit der Cloud bringt, zeigen, wie schwer sich die Kirche(n) mit dem Datenspeichern im Netz tut/tun. Diese Skepsis scheinen Protestanten und Katholiken in ökumenischer Verbundenheit zu teilen. „Ist die Cloud böse?“ weiterlesen

Facebook: Es ist eine Kosten-Nutzen-Rechnung

Facebook-Werbung
Facebook-Werbung

Auch wenn die Nutzung von Facebook nichts kostet (sieht man vom absurden Versuch 2012 ab, dass Facebook es sich bezahlen lassen wollte, Posts bevorzugt bei Freunden anzuzeigen), so hat Nutzung von Facebook jedoch einen Preis, jeder bezahlt mit seinen Daten.
Facebook ist eben kein Wohlfahrtsverband, es stellt sich daher die Frage, ob das, was man Facebook gibt – Daten über sich – , die Gegenleistung wert ist, die man empfängt.
Es ist eine Kosten-Nutzen-Rechnung. „Facebook: Es ist eine Kosten-Nutzen-Rechnung“ weiterlesen

Social Media Guidelines helfen in rechtlichen Grauzonen

Gut ein Jahr ist es her, dass die Kirchenleitungen der NRW-Landeskirchen die Social Media Guidelines für Rheinland Westfalen Lippe (SMG RWL) beschlossen haben. Wir sind in Gesprächen mit anderen Landeskirchen, die Interesse haben, diese Guidelines zu übernehmen.
Die Zeit steht nicht still. Vor rund zwei Jahren haben wir begonnen, unsere Guidelines in einem offenen Dokument in der Online-Community. Während wir damals im kirchlichen Kontext noch stark für die Nutzung sozialer Netze werben mussten, ist dies in dieser Form nicht mehr nötig. Häufig geht es nun um die Frage, welche Netzwerke und Dienste genutzt werden. Facebook – so meine persönliche Wahrnehmung – verliert an Relevanz, um Reichweite zu erzielen, gleichzeitig werden im Nachgang des NSA-Skandals Datenschutzargumente immer wichtiger. Nutzungsgewohnheiten ändern sich, mobile Endgeräte haben noch eine weitere Verbreitung erfahren. Gerade sitze ich auf der Fahr nach Hannover im Zug, neben mir Handy, Tablet und Notebook, die ich nebeneinander nutze. Reiseziel heute ist das EKD-Kirchenamt für eine Sitzung der FG IT-Recht im Kirchenamt.
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Datenschutz: Absolute Sicherheit gibt es nicht

Mail: Wer liest mit?
Mail: Wer liest mit?

Datenschutz steht – nicht zuletzt dank den NSA-Enthüllungen durch Edward Snowden hoch im Kurs. Kein Entscheidungsträger will sich nachsagen lassen, in Bezug auf Datenschutz versagt zu haben. Deshalb hat in einem Entscheidungsprozess der die besseren Argumente auf seiner Seite, der den Aspekt des Datenschutzes in seiner Begründung einbauen kann. So kann dann  Datenschutz schnell zu einem Totschlagargument werden. Statt Reflexhandlungen benötigen wir einen realistischen Umgang mit dem Datenschutz, nur so können wir das tun, was tatsächlich den größtmöglichen Nutzen hat. „Datenschutz: Absolute Sicherheit gibt es nicht“ weiterlesen

OER: Biblisch-theologische Gedanken

Bildung im Alten Orient beruhte vor allem auf mündlicher Überlieferung. Im alten Israel wurden Erzählungen immer wieder wiederholt und über 20 bis 40 Generationen mündlich weitergegeben, bevor sie zum ersten Mal niedergeschrieben wurden. Später entstand das Bedürfnis, an diesen durch den Traditionsprozess gereiften Texten keine Veränderungen mehr zuzulassen. Deswegen wurden die Erzählungen des Alten Testaments weiterhin erzählt, aber parallel auch niedergeschrieben und der Text durch besondere Siglen in Bedeutung und Aussprache geschützt.
Offen waren die mündlichen Erzählungen am Lagerfeuer, zumindest für die eigene Sippe. Frei zugänglich auch, wenn man zur Sippe oder deren Gästen zählte und evtl. einen Marsch oder Kamelritt auf sich nahm. Als Quelle wurden diese Geschichten empfunden und genossen. Auch als “Bildungs”-Quelle, weil Erinnern, Erzählen,  Bildung und Gottesdienst zusammen gehören: “Höre Israel,…” (Dtn 6,4) „OER: Biblisch-theologische Gedanken“ weiterlesen

Was sagt die Bibel zu Email-Verschlüsselung, Prism und Tempora?

Manchmal werden alte biblische Texte auf einmal aktuell, in Zeiten von Prism und Tempora sucht der Patriarch Abraham nach Gerechten, die Ihre Email verschlüsseln. Aktualisierungen sind immer schwierig, wer steht in dieser Version für Sodom? Dieser Text lief übers Jonet, Credits gehen an den “frommen Burks”:

Abraham antwortete und sprach: Ach siehe, ich habe mich unterwunden zu reden mit dem HERRN, wie wohl ich Erde und Asche bin. Es möchten vielleicht fünf weniger denn fünfzig Gerechte darin sein, die ihre E-Mails verschlüsseln; wolltest du denn das ganze Land verderben um der fünf willen? Er sprach: Finde ich darin fünfundvierzig, so will ich sie nicht verderben. Und er fuhr fort mit ihm zu reden und sprach: Man möchte vielleicht vierzig darin finden. Er aber sprach: Ich will ihnen nichts tun um der vierzig willen. Abraham sprach: Zürne nicht, HERR, daß ich noch mehr rede. Man möchte vielleicht dreißig darin finden. Er aber sprach: Finde ich dreißig darin, so will ich ihnen nichts tun. Und er sprach: Ach siehe, ich habe mich unterwunden mit dem HERRN zu reden. Man möchte vielleicht zwanzig darin finden. Er antwortete: Ich will sie nicht verderben um der zwanzig willen. Und er sprach: Ach zürne nicht, HERR, daß ich nur noch einmal rede. Man möchte vielleicht zehn darin finden. Er aber sprach: Ich will sie nicht verderben um der zehn willen. (nach: Die Bibel, 1. Mose 18) „Was sagt die Bibel zu Email-Verschlüsselung, Prism und Tempora?“ weiterlesen

Social-Media-Ratgeber für Eltern?

Rechtsanwalt Tobias Schäfer scheint einen wunden Punkt getroffen zu haben: Kinderfotos auf Facebook, gepostet von ihren Eltern. Eigentlich ist sein Facebook-Post nur common sense, aber binnen einer Woche wurde er über 50.000 Mal geteilt, knapp 3.000 Mal kommentiert und über 36.000 Menschen haben “Gefällt mir” geklickt. Er schreibt:

Ihr alle seid stolz auf eure Kinder und wollt nur das Beste für sie. Dazu gehört selbstverständlich auch die Wahrung der Persönlichkeitsrechte eurer Kinder.
Wie wollt ihr euren Kindern den immer wichtigeren sorgsamen Umgang mit persönlichen Daten im Internet beibringen, wenn das Leben des Kindes schon vorher lückenlos online steht?
Das nackt am Strand spielende Kind von heute muss sich schon morgen gegen andere behaupten. Noch mehr als in eigenen Belangen muss daher gelten: Erst denken, dann posten. Oder nicht?!?

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